Toronto, Neujahr 2004
Manya und Friedrich Brunzema mit Lukas, Anna und Yannik
Auch dieses Mal fängt unser Rundbrief mit einer Entschuldigung an - wir haben es wieder einmal nicht fertiggebracht, pünktlich zu Weihnachten oder zum Neuen Jahr zu schreiben. Das soll nun nachgeholt werden. Danke für all die netten Weihnachtsgrüße, die Ihr trotz unserer Funkstille geschickt habt. Wir hoffen, dab Ihr schöne Feiertage hattet und Euch ein wenig erholen konntet. Bei uns war das Weihnachtsfest natürlich ein Kinder-Weihnachten. Lukas, der diese Woche 7 wird, hatte sich in erster Linie Sachen gewünscht, die mit Kämpfen zu tun haben (der Kompromiss war dann eine Ritterburg), Anna wünschte sich vor allem rosa Kram, der glitzert. Die beiden sind sehr ausgeprägt jungen- bzw. mädchenhaft. Bei Yannik weiß man noch nicht so recht, welche Richtung er einschlägt; er spielt ebenso gern mit allem, was Räder hat und mit Fußbällen wie mit Annas Hochhackjes, Barbies und Ketten. Er ist für seine knapp zwei Jahre ein absoluter Riese und entwickelt sich gerade zur Sprechmaschine – er spricht so ziemlich alle Worte nach, die man ihm vorspricht. Noch immer ist er ein sehr ausgeglichenes Kind. Silvester hatten wir ein volles Haus - Übernachtungsbesuch mit fünf Mann hoch aus Quebec und dazu eine befreundete Familie mit Kindern aus der Nachbarschaft. Das neue Jahr beginnt für uns traurig, weil unser Pastor und guter Freund, der unser Leben hier 12 Jahre lang begleitet hat, am Neujahrstag starb. Er hatte noch unseren Heiligabendgottesdienst halten können.
Im Jahr 2003 war von Toronto ja viel in den Zeitungen zu lesen und wir sind dankbar, dab wir selbst nicht ernsthaft betroffen waren. Die SARS-Epidemie bekamen wir nur insofern zu spüren, als daß man beim Haus- und Zahnarzt sofort wieder nach Hause geschickt wurde, wenn man Fieber gehabt hatte. Der Jahrhundert-Stromausfall war für uns eher lustig - wir haben einen Gasherd und haben so mit den Eltern einer Freundin von Lukas bei Kerzenschein Reste aus dem Gefrierfach gekocht, während die Kinder tüchtig ihre Taschenlampen ausprobierten und die Eiscreme leerfutterten. Es kam ein heutzutage längst vergessener Nachbarschaftssinn auf und man konnte sogar die Sterne über Toronto sehen! Hätte das Ganze im tiefen Winter stattgefunden, wäre es wirklich unangenehm geworden.
Für die beiden "Großen" war die Schule im vergangenen Jahr wohl die größte Veränderung. Lukas kam ins erste Schuljahr des französischsprachigen Zweiges und ist seitdem den ganzen Tag (von Viertel vor neun bis halb vier) in der Schule, Anna begann im September nachmittags mit dem "Junior Kindergarten". Sie hat sich erstaunlich schnell eingewöhnt und kann nun schon viele Buchstaben erkennen und schreiben. Endlich hat sie nun auch mehr als nur eine einzige Freundin; zu ihrem vierten Geburtstag (natürlich eine Prinzessinnenparty ...) konnten wir vier kleine Mädels hier begrüssen.
Lukas hat dieses Jahr eine Lehrerin, mit der er sich blendend versteht und ist darum sehr motiviert. Es ist erstaunlich, was Lukas schon an französischer Konversation zustandebringt und versteht. Dennoch vermisst er die spielerischen Elemente des Lernens, die beim Wechsel vom "Senior Kindergarten" ins erste Vollschuljahr so ziemlich ganz wegfallen. Am Anfang war es auch nicht einfach, zusammen mit Hunderten anderer Kinder täglich in der Turnhalle schnell Lunch zu essen, ehe es dann auf den Schulhof geht. Lukas ist nun ganztags den vielfältigen Einflüssen der Mitschüler ausgesetzt und kann z.B. nicht verstehen, warum wir "Playstation Games" und "Der Herr der Ringe"-Kinofilme für ihn nicht für geeignet halten. Zum Glück ist der Kreis seiner engeren Schulfreunde sehr nett und wir sind auch mit den meisten Eltern gut befreundet. Es ist halt doch immer derselbe "harte Kern", der nach der Schule noch bei Wind und Wetter auf dem Spielplatz ausharrt. So haben Anna und Lukas auch viele Freunde außerhalb ihrer eigenen Klassen. Mit einem Halb- und einem Ganztagsschulkind habe ich derzeit sechs Schulwege täglich zu absolvieren; das Mehr an Kilometern wird durch ruhigere Nachmittage mit bloß noch Yannik zu Hause aber ausgeglichen. Die Schule bestimmt meinen Tagesablauf von sieben Uhr morgens bis fünf, danach sind dann die Verabredungen der Kinder dran. An manchen Tagen heibt das permanenter Blick auf die Uhr und andauerndes An- und Ausziehen.
Lukas kann inzwischen schwimmen, macht aber mit den Kursen natürlich weiter, und Anna besucht neben ihrem Chor einmal die Woche eine Kindertanzgruppe. Auberfamiliär habe ich neben meinem monatlichen Zeitungslektorat denn auch nicht viel geschafft; ein Lexikoneintrag über mein Dissertationsthema war meine einzige kunsthistorische "Leistung". Dafür war ich im vergangenen Jahr auch öfter Strohwitwe als sonst; habe mich aber nach fast sieben Jahren Mutterdasein 2003 erstmals getraut, einen Babysitter neben der Großmutter anzustellen. Es handelt sich um die 18jährige Tochter von Bekannten aus unserer Kirche, womit wir beim Thema Sommerurlaub wären. Von diesen Bekannten mieteten wir nämlich diesen Sommer ein Wochenendhaus am Lake Huron, wo wir zwei traumhafte Wochen verlebten. Alles war rustikal, aber ruhig, und es gab zum Glück keinen Fernseher. Das war der längste Familienurlaub am Stück, den wir je hatten, und wir hoffen auf eine Wiederholung 2004.
Nun hat Manya schon das Meiste berichtet, ich werde aber auch noch etwas dazu schreiben. Arbeitsmäßig bin ich immer noch bei MDS SCIEX mit Massenspektrometer-Software beschäftigt. Ich arbeite jedoch jetzt nicht mehr direkt als Team-Leader, sondern bin mehr an Sonderprojekten tätig. Außerdem habe ich jetzt etwas mehr mit Kunden zu tun – im letzten Jahr bedeutete das einige Reisen in die USA und eine kurze Reise nach Schweden und Deutschland (Berlin). Dies sehe ich als positiv, da ich nicht mehr so in dem Leistungsdruck der verschiedenen Software-Projekte bin. Es hat sich dieses Jahr auch das Management bei Sciex zum Positiven geändert – so werden im neuen Jahr andere Software-Methoden wie Extreme Programming bei uns eingesetzt. 2003 war außerdem das Jahr der Nierensteine – ich hatte so viele wie noch nie, zum Glück allerdings meistens ohne größere Koliken.
Dieses Jahr habe ich auch wieder mit dem Bierbrauen als Hobby angefangen; und habe jetzt etwas mehr Braukapazität; so kann ich nun ca. 35 l auf einmal schaffen. Ich lerne auf diesem Gebiet immer noch dazu und hoffe bald auf unserer Website mal ein paar Fotos zu diesem Thema zu posten.
Ende November wurde ich eingeladen bei einem deutschen Mini-Chor (7 Personen) mitzusingen. Burkhart Möller, ein deutscher Orgelbauer, rief mich an, ob ich nicht Lust hätte einige vierstimmige Weihnachtslieder zu singen. Seine Frau Katharina ist Pastorin bei St.Georg, unserer Schwester-Gemeinde hier in Toronto. Dazu kam noch ein anderer Orgelbauer, Matthias mit seiner Frau und zwei Kindern - er hatte auch noch Kirchenmusik studiert, und war der Chorleiter. Wir haben dann zum 1. Advent in St.Georg, und am 4. Advent in einer anderen deutschsprachigen Gemeinde gesungen.
Ansonsten machen mir die Kinder (zum größten Teil ;-) Freude, besonders der kleine Yannik, der immer mit seinen Bilderbüchern zu mir kommt, damit ich vorlesen soll. Abends bringt Manya die beiden großen Kinder ins Bett, und ich den Kleinen.
Wir werden versuchen unsere Website jetzt etwas öfter zu aktualisieren. Unser Internet-Provider wurde von einer anderen Firma aufgekauft und dadurch war monatelang die Website unzugänglich – nun haben wir wieder unter einer neuen Web-Adresse (siehe oben) aufgemacht.
So wollen wir, die Brunzemas in Canada, Euch ganz herzlich grüssen und Euch einen guten Rutsch und Gottes Segen für das neue Jahr wünschen.